Melde jehorsamst...
Bisher hatte ich jenes Bild im ersten Stock der Alten Nationalgalerie immer übersehen. Gestern leider nicht: Im Etappenquartier vor Paris am 24. Oktober 1870 heißt der Schinken des preußischen Staatspinslers Anton von Werner.

Selten überkam mich angesichts eines Gemäldes ein solcher Abscheu. Je länger ich aufs "gemütliche Beisammensein" blickte, desto vernehmlicher hallte in meinem Kopf die Rede wider, die der schnauzbärtige Knödler vor seiner Darbietung geschwungen haben mag:
Kameradn! Erlaube mir, jefälligst anzukündijen, det ick im Foljenden einije Preziosen unseret wundabahn deutschn Liedjutes zu Jehör zu bringn beabsichtije. Möje der vertraute Klang diesa famosn Melodien uns vorübajehend vajessn lassn, dit wia uns uff feindlichm Bodn befindlich ...äh... sind. Am Pianofoate bejleitet mir der treue Kamerad Zitzewitz, 'n wahra Meesta seinet Faches. Möchte ooch die Jelejenheit nich vasäum, diese Huldijung an unsre jeliebte Heimat zum Anlaß zu nehm, uff det Wohl unsra hochjeehrtn Majesteet 'n dreifachet Hipphipphurra auszubringn.
Alles, was ich am Pickelhaubendeutschtum, am ganzen protopreußischen Hurrapatriotismus verachte, scheint förmlich geronnen in dieser Szene: Rotgeschwollene Quadratfressen rotten sich im usurpierten Salon zusammen, verdrecken die Auslegeware und machen auf "Kultur". Grölen was vom Jäger aus Kurpfalz, suhlen sich in möglichst mond- und waldreicher Silchersülze, wünschen den "Franzmännern" die ewige Verderbnis an den Hals und fühlen sich in ihrer Zucht-und-Ordnungs-Mentalität über alles und jeden erhaben. Da möchte man glatt zum Ikonoklasten werden...
[Update:] Um es noch plastischer werden zu lassen, empfiehlt sich ein Blick in Maupassants Mademoiselle Fifi.

Selten überkam mich angesichts eines Gemäldes ein solcher Abscheu. Je länger ich aufs "gemütliche Beisammensein" blickte, desto vernehmlicher hallte in meinem Kopf die Rede wider, die der schnauzbärtige Knödler vor seiner Darbietung geschwungen haben mag:
Kameradn! Erlaube mir, jefälligst anzukündijen, det ick im Foljenden einije Preziosen unseret wundabahn deutschn Liedjutes zu Jehör zu bringn beabsichtije. Möje der vertraute Klang diesa famosn Melodien uns vorübajehend vajessn lassn, dit wia uns uff feindlichm Bodn befindlich ...äh... sind. Am Pianofoate bejleitet mir der treue Kamerad Zitzewitz, 'n wahra Meesta seinet Faches. Möchte ooch die Jelejenheit nich vasäum, diese Huldijung an unsre jeliebte Heimat zum Anlaß zu nehm, uff det Wohl unsra hochjeehrtn Majesteet 'n dreifachet Hipphipphurra auszubringn.
Alles, was ich am Pickelhaubendeutschtum, am ganzen protopreußischen Hurrapatriotismus verachte, scheint förmlich geronnen in dieser Szene: Rotgeschwollene Quadratfressen rotten sich im usurpierten Salon zusammen, verdrecken die Auslegeware und machen auf "Kultur". Grölen was vom Jäger aus Kurpfalz, suhlen sich in möglichst mond- und waldreicher Silchersülze, wünschen den "Franzmännern" die ewige Verderbnis an den Hals und fühlen sich in ihrer Zucht-und-Ordnungs-Mentalität über alles und jeden erhaben. Da möchte man glatt zum Ikonoklasten werden...
[Update:] Um es noch plastischer werden zu lassen, empfiehlt sich ein Blick in Maupassants Mademoiselle Fifi.
Cosmas - 2006-04-16 02:15