»Neu erfundener Lust=Weg zu allerley schönen Künsten und Wissenschafften. Welcher bestehet in einer besondern Erfindung, wie die zarte Jugend durch bey Hilffe gewisser darzu bequemen Bildern gantz spielend den ersten Haubtgrund deß ABC und Buchstabierens erlernen und selbige dadurch fast ohne Lehrmeister in gar kurtzer Zeit zum völligen Teutsch-, Frantzösisch- und Lateinischen lesen und schreiben perfectionirt werden können. Wegen verhoffenden sonderbaren Nutzens der Jugend vorgestellet, Nürnberg, 1778.«
So lautet der knackige Titel einer aufklärerischen Leselernfibel, die ich der Frau Mama (neuestes Kurativ zur Behandlung des senioralen Ennuis: antiquarische Bücher) abgeschwätzt habe. Ich wünschte, ich hätte in meiner »zarten Jugend« ein derart formidables Opus zur Hand gehabt. Aber nein, unser Lehrbuch hieß
Uli, der Fehlerteufel und war von eher schlichtem Zuschnitt. Im
Lust=Weg geht's dagegen existenziell zu; dort lernt der willfährige Eleve alles, was ihn für die Widrigkeiten des Lebens rüstet. Woraus er ist, beispielsweise: Inmitten der säkulare
Seelenersatz, umgeben vom harten
Gerüst. Wovon er sich nährt: von
Feinem und
Deftigem. Doch, ach, einst muß er den Weg allen Fleisches gehen: Dann kommt der
Schnitter und schon liegt er
darnieder, bevor er zur
Ruhe gebettet und über sein
Schicksal entschieden wird. (So viel Jenseits muß sein!) Doch auch praktische Hinweise betreffs lebensverlängernder Maßnahmen sind Bestandteil des Curriculums: der Gebrauch gar nützlicher Gerätschaften, etwa
dieser oder
dieser. Sogar berufsberatend wird gewirkt. Wie wär's
damit? Selbst die potentiellen Globalplayer sind bestens vorbereitet:
Ihm oder gar
ihm zu begegnen – kein Problem! (Man ist ja schließlich dreisprachig.) Gewiß ist, daß der fleißige Zögling seinen Weg machen wird.
[...], was ihn schrecken könnte. Und wenn er nicht spurt, ergeht's ihm
schlecht.